Sooooo lang, lang ists her, aber ich hoffe ihr erinnert euch noch an unsere Story
Wir sind stolz, nach dieser Abwesenheit euch weitere Einblicke in unsere Geschichte geben zu können, hoffentlich gefällt sie euch weiterhin
________________________________________________________________________
Als es dunkler geworden war, macht er sich auf den Weg nach Uschtenheim.
Er weiß, dass er Draz wieder im 'roten Raben' treffen würde, aber vorerst braucht er Nahrung, der Weg durch die Sonne hatte ihn doch mehr Kraft gekostet, als er dachte.
Er überlegt kurz und entschließt sich dann zu einer Jagd in der Stadt, denn selbst Nachts bietet Uschtenheim noch ein reges Treiben und die Gefahr von einer Sarafanen-Patrouille erwischt zu werden ist ziemlich gering, wenn man sich nicht dumm anstellt.
In Uschtenheim angekommen, verschmilzt er mit dem Schatten, der ihm von den vielen kleinen Gassen geboten wird und begibt sich auf die Jagd.
Eine weile streift er so durch die Gassen ungesehen und unbemerkt, er spürt die Anwesenheit der Menschen um ihn herum, doch spüren die Menschen ihn nicht, ihre Sinne sind nicht so ausgeprägt wie die der Vampire.
Dann spürt er einen Hauch von Blut in der Luft, ein süßer, lieblicher Duft einer jungen Frau, er folgt der Fährte, immer von seinen Sinnen und Instinkten gelenkt, bis sie ihm zu einer Gasse hinter einer Spelunke führen.
Dann sieht er sein Opfer, die junge Frau steht ein paar Meter vom Hintereingang entfernt und wäscht ihren blutenden Finger in einem Wassertrog, den Schnitt hat sie sich bei der Arbeit zugezogen.
Er genießt die Jagd.
Erregt von dem Duft ihres Blutes wandelt er blitzschnell durch die Schatten, muss aber dabei aufpassen, nicht von dem Licht gefangen zu werden, was von der offenen Tür ausgeht.
Doch ist er erfahren in der Jagd und im nächsten Augenblick steht er hinter ihr.
Die junge Frau lässt vom Waschen ihres Fingers ab und schaut verängstigt in die Gasse, sie hat ihn nicht gesehen und spürt ihn nicht, doch den Lufthauch, mit dem er sie gestreift hat fühlt sie.
Die Menschen fürchten die Dunkelheit, denn sie fürchten, dass sich in ihr das Böse verbirgt und sie haben recht!
Er umfasst die Frau mit seinem linken Arm, so dass sie sich nicht mehr rühren kann, mit der rechten Hand fährt er langsam ihre Kehle entlang, er spürt ihre Angst, er spürt, dass sie unfähig ist sich zu bewegen, zu schreien. Er ist auf dem Höhepunkt seiner Jagd.
Dann beißt er zu und genießt ihr junges Blut in vollen Zügen.
Jetzt spürst du mich!
Als er sein Mal beendet hat, legt er den toten Körper in die Dunkelheit an die Hauswand und macht sich auf den Weg zu Draz.
Das letztes was er hört ist den sich aufregenden Spelunkenbesitzer, der wütend in die Nacht hinaus schreit und der Frau mit der Kündigung droht, nicht wissend, dass er sie am nächsten Morgen ein paar Meter weiter tot neben der Mauer finden wird.
Da, wo jetzt noch die Dunkelheit herrscht.
Der düstere Gang scheint kein Ende zu nehmen und das schwache Leuchten der Kugel ist ihr einziger Trost in dieser Schwärze. Sie liebt die Nacht, aber dieses schwarze Nichts ist damit kaum zu vergleichen.
Irgendwann stolpert sie über ein paar Geröllbrocken in eine Kammer, die eindeutig nicht natürlichen Ursprunges ist. Der rechteckige Raum hat schon bessere Zeiten gesehen, aber er muss einmal sehr prachtvoll gewesen sein. Halbverwitterte Reliefs zieren die Wände, auf denen engelhafte Figuren in einer Prozession dargestellt sind. Fremdartige Muster bedecken jeden Quadratzentimeter der Steinwände. Edelsteine sind verschwenderisch als Zierde eingefügt.
Staunend und ein wenig verwundert steht Charlet in diesem Raum, dessen Decke sich über ihr in der Dunkelheit verliert und presst die Kugel gegen ihre Brust.
Wo ist sie hier?
Diese Ruinen ähneln denen, welche sie aus dem Sumpf kennt, aber diese Figuren sieht sie zum ersten Mal. Sie erinnert sich vage, dass solche Reliefs in den überirdischen Ruinen fehlen.
Man hatte sie herausgebrochen...
Waren das die Baumeister?
Waren sie diejenigen, deren Ruhm sie wiederherstellen sollte?
Aber warum sahen sie dann so anders aus als sie selbst? Keine Vampire, sondern Vogelmenschen...
Aus dem Augenwinkel sieht sie Metall glimmen und neugierig tritt sie näher. Eine Tür! Eine Tür aus Metall. Ihre Augen werden weit und schnell zieht sie einen ihrer Dolche.
Tatsächlich sind sie aus demselben rötlichen Metall.
Und wieder einmal fragt sie sich, wer ihr Schöpfer eigentlich war. Es ist das erste Mal, dass sie dieses Metall noch einmal sieht, denn die Menschen kennen es nicht.
Aber sie steht vor einer Tür und so steckt sie den Dolch wieder weg.
Hinter dieser Tür muss etwas sein.
Mit Mühe gelingt es ihr, wenigstens einen der massiven Türflügel soweit aufzuziehen, dass sie durch den Spalt schlüpfen kann und drinnen ist es viel heller.
Sie blickt in einen annähernd runden Raum. Auch hier ist vieles aus Metall, aber die Vielzahl der ihr bis dahin unbekannten Dinge, die sie hier sieht, lässt sie beinah taumeln. Gewaltige Räder und Scheiben aus Metall hängen an den Wänden. Ein Gewirr von metallenen Rohren zieht sich von Pfeiler zu Pfeiler. Als sie staunend näher tritt, erschrickt sie plötzlich fürchterlich.
der Boden unter ihren Füßen ist nicht nur kalt und so glatt, wie sie noch keinen Boden sah. Er ist auch durchsichtig! Lediglich eine feine Aderung wie die von Marmor ist zu erahnen. Wie ist so etwas möglich? Stein, durch den man hindurchsehen kann?
Verblüfft lässt sie sich auf die Fersen nieder und fährt mit ihren Krallen über die unnatürlich glatte Oberfläche, doch außer einem furchtbaren quietschend-kreischenden Geräusch bleibt nicht die geringste Kerbe zurück.
Auch unter dem durchsichtigen Stein liegen riesige metallene Scheiben und Räder.
Was ist das für ein Raum?
Und diese Apparatur in der Mitte, wozu nützt die? Neugierig umkreist sie die Einrichtung mehrmals, aber der Sinn des ganzen erschließt sich ihr einfach nicht.
Alles ist schön und seltsam. Aber sie versteht es einfach nicht.
Dann endlich entdeckt sie etwas, was ihr seltsam vertraut vorkommt: An einer der Wände sind mehrere metallene Zylinder angebracht. Gegen die überragend gewaltigen Dinge im ganzen Raum sehen sie nahezu unscheinbar aus, und doch... woher glaubt sie bloß, diesen Anblick zu kennen? Nachdenklich legt sie den Kopf schief.
Sie kommt nicht drauf, bis ihr Blick auf die Kugel in ihren Armen fällt in deren Glas sich die Metallzylinder beinahe verschwörerisch spiegeln.
Sie kann es kaum glauben, aber langsam dämmert ihr, woher sie diese Zylinder kennt und so hebt sie die Kugel langsam und noch immer zutiefst verwirrt an ihre Stirn und schließt die Augen...
Wieder die altbekannten Bilder, von denen ihr einige bereits verhasst sind. Ihr Anblick schmerzt sie, obwohl es die Erinnerungen ihres Meisters sind.
Da! Wie elektrisiert fährt sie auf und starrt die Zylinder an. Sie hat sie tatsächlich in der Kugel gesehen!
Ihre Gedanken überschlagen sich. Ihr Schöpfer war hier!
Doch die Zylinder sehen anders aus. Zitternd streckt sie die Hand nach dem zweiten von ihnen aus und dieser gibt dem leichten Druck ihrer Finger nach und senkt sich in die Wand. Aufgeregt widmet sie sich den übrigen Zylindern, bis die Apparatur genauso aussieht, wie das Bild in der Kugel.
Sie glaubt ein leichtes Vibrieren in der Wand zu spüren. Leise klickende Geräusche zu vernehmen...
Und wie von selbst wandert ihr Blick zu dieser Gerätschaft in der Mitte des Raumes.
Was wäre wenn...?
Zwei Griffe. Sie wird beide Hände brauchen.
Kurzentschlossen schlüpft sie aus ihrer Jacke, wickelt die Kugel hinein und knotet das Bündel an ihren Gürtel.
Fest starrt sie auf die Apparatur, spannt ihre Muskeln und spreizt ein paarmal die Klauen, um sich Mut zu machen.
Ihr Schöpfer war hier, ihr Schöpfer war hier, es hat alles einen Grund!
Dann aktiviert sie die Maschinerie.
Grelle Lichtblitze stürmen auf sie ein und sie schreit vor Angst auf. Blitze zucken durch die Luft und knallen wie massive Peitschenhiebe um sie herum. Als sie das Licht nicht mehr ertragen kann, schlägt sie wimmernd die Hände vor ihr Gesicht uns ergibt sich ihrem Schicksal.
Dann ist alles still, nur ihr eigener Herzschlag dröhnt durch ihren Körper. Sie zittert am ganzen Leib. Was ist bloß passiert?
Um sie herum sieht alles noch aus, wie zuvor auch.
Was ist geschehen?
Als er am 'Roten Raben' ankommt wartet Draz schon auf ihn.
Als er Kuro sieht nickt er ihm zu und bedeutet ihm damit ihm in die dunkle Gasse zu folgen. Kuro folgt ihm und schließt sein Hände fest um das Buch, tausend fragen hat er, doch weiß er nicht, ob Draz ihm helfen kann sie zu beantworten. Warum verdammt noch mal ist das Symbol seines Clans in einem so alten Buch, was für ihn nichts weiter als ein Relikt vergangener Vampirzeiten ist?
„Nun, hast du das Buch dieses Mal dabei?“
„Ja, doch bevor ich es dir gebe, musst du mir etwas beantworten.“
„Oh, wie ich sehe hast du ein wenig in dem Buch gestöbert. Lass mich raten, du willst wissen, was ich über deinen Clan weiß und warum sein Zeichen in diesem alten Buch zu finden ist...
Es tut mir Leid, ich werde dir nicht helfen können. Das Buch war vor langer Zeit in meinem Besitz, dennoch hatte ich nicht viel Zeit es zu studieren... aber ich mache dir ein Angebot.
Suche den Ort auf, der auf der Karte verzeichnet ist und beachte, wenn du ihn gefunden hast die Vampirglyphen am Kartenrand, ich habe sie dir übersetzt. Wenn du dort gefunden hast, was du suchtest, komme wieder zu mir, ich werde in der Zeit das Buch studieren und dir dann gegen einen kleinen Gefallen den Auszug, der über deinen Clan geschrieben übersetzt haben.“
Es ist dunkel, doch ist das Grinsen in Draz altem zerfallenen Gesicht kaum zu übersehen, denn er weiß, dass Kuro auf diese Übersetzung brennt und seine Bezahlung dementsprechend hoch ausfallen wird.
„Abgemacht und nun sag mir wo die Karte ist.“ sagt er möglichst gleichgültig.
Es ärgert ihn so auf die Hilfe eines Menschen angewiesen zu sein.
Er streckt Draz das Buch hin, der es erst einmal gründlich in Augenschein nimmt.
„Die Karte ist in einem Kästchen hinterm dem Schild vom 'Travelers Inn', weißt du, wo das ist?“
„Ja.“
„Gut, dann verschwinde jetzt von hier, ich hab' zu tun!“
Im nächsten Moment ist Kuro verschwunden und bewegt sich geschickt über die Dächer zum Travelers Inn.
Dort angekommen wartet er erstmal im Schatten ab. Auch wenn dies eine hässliche und dunkle Gegend ist, gibt es Patrouillen hier, doch es scheint gerade alles ruhig.
Lautlos verschwindet er im Dach und im nächsten Augenblick kommt seine Hand in der Wand hinter dem Schild wieder zum Vorschein. Er schnappt sich die Kiste und kommt mit ihr auf dem Dach wieder hervor.
Endlich habe ich sie!
Die Karte sieht aus als wäre sie erst gerade gezeichnet worden, selbst der Rand ist makellos.
Draz hat wieder mal volle Arbeit geleistet.
Auch die Übersetzung der Glyphen ist dabei, doch schwanken seine Gedanken von der Karte ab, als er den silberweißen Ring an seiner Hand erblickt.
Ich hoffe es geht dir gut! gedankenversunken streicht er über die weiche Seide und hofft, dass seine Reise nicht allzu lang dauern wird.
Dann verschwindet er in der Dunkelheit und macht sich auf den Weg zu dem geheimen Ort, dem ihm die Karte nun Preis gibt!
Endlich wird er den Schleier, der die Geschichte seines Clans umgibt ein wenig lüften können.